Martin.L

 

In Memoriam

So plötzlich, so unerwartet. Unser Projekt ist
und bleibt aktiv. Voller Pläne. Doch bei unserem
letzten Treffen wurden wir überrascht. Von der
Nachricht, dass Du, Martin Lachner, nicht mehr
teilnehmen wirst. Nie wieder. Du warst zu jung,
um schon zu gehen. Aber das Leben lehrt uns
immer wieder, dass dies kein Kriterium ist. In
Gedanken wirst Du uns auch in Zukunft begleiten.
Deine Anregungen, Deine Gedanken zu unserem
Projekt.

 

„Martin hatte noch viel vor“ – sein Traum
war eine Ausstellung in einer, bekannten,
großen Galerie. Er fotografierte mit
Begeisterung, wobei sein Schwerpunkt auf
dem Porträtieren von Menschen lag.

 

 

Bilder

aus Afrika erreichen uns von Zeit zu Zeit über das Fernsehen und in den Zeitungen, und es sind diese Eindrücke, die unser Bild von Afrika prägen.
Armut und Hunger, Krieg und Zerstörung, Dürre und Überschwemmungen, Straßenkinder und Slums, Aids und Tod.
Es sind Bilder, die ein bisschen traurig, oder auch Angst machen. Ich möchte hier andere Bilder von Afrika zeigen, etwa bunte Märkte mitexotischen oder zumindest ungewöhnlichen Waren, Kunsthandwerk, kleine Verkaufsstände, eine Kochstelle im Freien oder einen quirligen Busbahnhof. Und nicht zuletzt die weiten, offenen Felslandschaften.

Es sind Bilder, die 1998 im Rahmen eine Begegnungsmaßnahme von jungen Erwachsenen aus München und Harare, der Hauptstadt von Simbabwe im südlichen Afrika, entstanden sind. Aufgenommen in Harare und auf einer Rundreise durch das Land.
Der Titel der Ausstellung, Identität und Heimat, passt hier sehr gut. Bei einer Begegnungsmaßnahme lebt man einige Tage in der Gastfamilie, und lernt das andere, fremde Leben von innen kennen. Dadurch reflektiert man das eigene Leben im eigenen Land von außen. Ich erlebte dort, dass Familie, und Zeit zu haben ein großer Wert ist. Dass man auch mit wenig Geld ein gutes Leben führen kann. Es gibt dort täglich Sadza, Maisbrei, ein billiges Essen wie bei uns Weißkraut. Was stört mich in Deutschland? Die jungen Leute kritisieren die Ignoranz gegenüber dem Klimawandel. Mich stört hier das Ausgrenzen von Minderheiten, und der Konsumterror. Konsum macht nicht glücklich. Es sind andere Dinge.
Heimat ist innen. Heimat ist: Orte, die ich kenne. Giesing, Pasing, Olympiagelände. Und mein Zuhause. Und im Geiste ist mir auch Simbabwe Heimat. Tauchen Sie in die Bilder ein. Denn ich zeige Ihnen

mein Simbabwe (siehe Gallerie / Simbabwe)

 

Werdegang

Martin Lachner

Ich wurde 1968 in München geboren.
Mit Leistungskurs Kunst legte ich 1988 das Abitur ab. In all den Jahren dannach photografierte ich intensiv als Autodidakt und belegte diverse Volkshochschulkurse in Photografie und (zumeist gegenständlicher) Zeichnung und Malerei. Ein Schwerpunkt war dabei Portrait- und Aktzeichnung.

Die letzten zehn Jahre war ich Schüler bei Frau Edeltraut Braun von Stransky, bekannt durch Mosaiken im öffentlichen Raum, gegenständliche Malerei und religiöse Kunst.
Aus diesen Kursen gab es eine Gruppenausstellung Januar 2017 im Bürgerhaus Römerschanze in Grünwald.
Juni 2018 stellte ich im SPDi Schwabing aus.

 

Jugendaustausch Harare-München 1998

Der Jugendaustausch zwischen der Hauptstadt von Simbabwe, Harare, und München begann mit einer Panne. Der Flug musste wegen eines technischen Problems um 24 Stunden verschoben werden. Angekommen in Harare überraschte uns das warme Wetter und die (nach der Regenzeit) üppige Vegetation. Jugendaustausch heisst, das Leben von jungen Simbabwern und ihren Familien in ihrem Land kennenzulernen. Jeder hat einen Partner, den man vertieft kennenlernt. Mein Partner hieß Justin Kalonga, ein junger Eiektrotechnik- lngenieur, der bei der Armee arbeitet. Als ich in das Haus seiner Familie kam, fiel mir auf, dass es fur unsere Verhältnisse beengt war. Die sechsköpfige Familie bewohnte etwa 40 Quadratmeter, die jüngeren Familienmitglieder schliefen auf der Couch im kleinen Wohnzimmer. Nur wenige aus der Familie haben Arbeit, sie unterstützen die anderen. Die Arbeitslosenquote betragt etwa 50%, unter jungen Leuten bis zu 85%. Manche gemeinsame Aktivität, etwa ein Discobesuch, scheiterte am Geld. Das Grundnahrungsmittel Maismehl ist billig, eine 3O—minütige Fahrt mit dem Kleinbus kostet umgerechnet 40 bis 50 Pfennige. Allerdings sind die Einkommen auch deutlich geringer als in Deutschland. Die Mitglieder meiner Partnerfamilie waren Christen, wobei mir nicht klar wurde welcher Konfession. Die Gottesdienste, die wir besuchten (Gründonnerstag und Osternacht) ähnelten dem katholischen Ritus. Mich irritierte nur, dass sie in der Osternacht etwa 45 Jugendliche und Erwachsene ab etwa 14 Jahren tauften. Waren es Baptisten? Im Wohnzimmer meiner Gastfamilie hing ein Schriftzug: Have faith in Jesus, was auf deutsch etwa heißt: Glaube an Jesus, vertraue auf ihn. Ungewohnt, aber interessant fand ich die Darstellung von Maria und Jesus, beide als Schwarze. Kinderarbeit ist in Simbabwe weit verbreitet, sie betreiben etwa einen kleinen mobilen Obststand. Manche zum Teil jüngere betteln aufdringlich. Den Straßenkindern fehlt das, was ich als sehr positiv erlebte: den Familienzusammenhalt. Den zweiten Teil unseres Aufenthaltes verbrachten wir (Simbabwer und Deutsche) mit einer Rundreise. Es gibt wunderschöne Landschaften, wir sahen die balancing rocks, die riesigen Victoria- Fälle. Wir gingen zu Fuß auf Photosafari, begleitet von einem bewaffneten Führer, und sahen Elefanten, Zebras und Giraffen- hautnah. lnzwischen sind wir seit zwei Wochen wieder in Deutschland. Unsere Partnergruppe wird uns im September besuchen. lch kann es immer noch nicht fassen, da ist es Frühling ist und nicht Herbst (wie in Simbabwe). lch erinnere mich: an Sadza, den täglichen Maisbrei, an den Linksverkehr (hier in München seltsamerweise wieder Rechtsverkehr), an die heimlichen simbabwer Liebespaare, vor allem erinnere ich mich an meinen Partner Justin Kalonga und viele neugewonnene Freunde aus Simbabwe und München. Und es bleibt mancher Gedankenaustausch: brauche ich all das, was ich habe, was ich besitze? Brauche ich all den Luxus? Fehlen mir nicht andere Dinge, die mein Partner Justin hat? Familie? Solidaritat? Zeit, die wir füreinander haben? Wir können vieles voneinander lernen. lnzwischen ist wieder ein Jahr vergangen. lch habe einen Brief von meinem Partner Justin bekommen. Es gibt viel neues in Simbabwe. Der Staat schickt Militäreinheiten nach Zaire, Justin absolviert ein 2 %-monatiges Kampftraining. Die Preise fur Lebensmittel und für Dinge des täglichen Bedarfs sind massiv gestiegen. Die 30-minutige Fahrt mit dem Kleinbus kostet im Vergleich zum Vorjahr mehr als das Doppelte. Stell dir das mal in Deutschland vor! Der Wechselkurs, vor einem Jahr bekam man fur eine D-Mark neun Sim-Dollar, beträgt nun eine D-Mark 23 Sim-Dollar. Manches ist für uns einfach unvorstellbar. Mögen Gott – und die Mächtigen – Justin und sein Land schützen.